5. Suche nach der Melodie/Look for the Melody

            Eines Tages, als ich ein Kind war, wanderte mein Vater in den Schwarzwald (wo wir lebten), saß drei Stunden lang da und nahm die Lieder der Nachtigallen auf. In den nächsten 50 Jahren spielte er dieses Band viele Male ab und ich beobachtete, wie sein ganzer Körper in einen Zustand kindlichen Staunens zu schlüpfen schien. Papa glaubte nicht an Gott. Aber ich bin überzeugt, dass er Ihn in der Natur gesehen und gehört und „gespürt“ hat.

            Als ich heute Morgen auf meinem Weg war durch den Wald und hinunter zum Strand, stieß ich auf eine Holzbank mit herrlichem Blick auf das Meer und ich musste mich einfach hinsetzen und es genießen. Ich lehnte mich in meinem Sitz zurück, schloss die Augen und entspannte mich in der Wärme der Sonne. Und plötzlich wurde mir der Vogelgesang um mich herum bewusst. Es gab keine Möglichkeit, festzustellen, woher eine bestimmte Stimme kam – sie waren einfach überall! Wunderschöne lyrische Melodien, die Freude und Aufregung und ja sogar Lachen auszudrücken schienen. Und als ich dort saß und alles in mich aufnahm, lächelte mein Herz.

            Dann kam die unharmonische Note. Haha! Ich fing buchstäblich an, laut zu lachen, als ich das erste „Kreischen“ hörte. Amseln. Eine ganze Gruppe von ihnen, die sich plötzlich entschieden hatten, dem Chor beizutreten. Es war eine äußerst aufrührerische Kakophonie, die jeden anderen Klang überwältigte. Ich unternahm eine gezielte Bemühung, um das lästige Krächzen auszublenden und mich auf die Singvögel zu konzentrieren…. und für eine Momentaufnahme würde ich in der Lage sein, sie von dem „Lärm“ zu trennen. Aber schließlich ohne Erfolg. Stattdessen beschloss ich, weiterzugehen und meinen Weg zum Meer fortzusetzen.

            Als ich mich das nächste Mal hinsetzte, war es am Wasser. Und die „Melodie“, vor der ich meine Augen schloss, war das Geräusch von Wind und Wellen. Und es hatte die gleiche beruhigende Wirkung auf meine Seele wie die Singvögel. Da wurde mir klar, dass dies die Disziplin des christlichen Lebens ist: zu lernen, wie wir uns vom „Lärm“ der Welt um uns herum trennen können, um uns auf die Stimme Gottes zu konzentrieren und auf sie zu hören.

            Zu oft lassen wir in unserem Alltag die „unharmonische Note“ unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Rechnung, von der wir nicht wissen, wie wir sie bezahlen sollen; die Frist, von der wir nicht glauben, dass wir sie einhalten können; die Beziehung, in der wir nicht herausfinden, wie wir sie reparieren sollen…und die Liste geht weiter. Es ist Dummheit, zu leugnen, dass die Umstände existieren. Aber es ist Weisheit, die zu diesen Umständen „spricht“ und sich dafür entscheidet, inmitten des Lärms nach der Stimme des Vaters zu suchen.

            „Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer tägliches Leben – darum, ob ihr genug zu essen, zu trinken und anzuziehen habt. Besteht das Leben nicht aus mehr als nur aus Essen und Kleidung? Schaut die Vögel an. Sie müssen weder säen noch ernten noch Vorräte ansammeln, denn euer himmlischer Vater sorgt für sie. Und ihr seid ihm doch viel wichtiger als sie. Können all eure Sorgen euer Leben auch nur um einen einzigen Augenblick verlängern? (…) Macht das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen, lebt in Gottes Gerechtigkeit, und er wird euch all das geben, was ihr braucht. Deshalb sorgt euch nicht um morgen, denn jeder Tag bringt seine eigenen Belastungen. Die Sorgen von heute sind für heute genug.“ (Matthäus 6, 25-27, 33-34)

            One day, when I was a child, my father hiked in to the Black Forest (where we lived) and sat for three hours, recording the songs of nightingales. Over the next 50 years, he would play that tape many times and I would watch as his whole body seemed to slip in to a state of child-like wonder. Papa didn’t believe in God. But I am convinced he saw and heard and ‘felt’ Him, in Nature.

            This morning, as I made my way through the woods and down to the beach, I happened upon a wooden bench with a marvellous view of the ocean and just had to sit and savour it. I leaned back in my seat, closed my eyes and relaxed in to the warmth of the sun. And suddenly I was aware of the birdsong all around me.  There was no way to pinpoint where any particular voice was coming from – it was simply everywhere! Beautiful lyrical melodies that seemed to express joy and excitement and yes, even laughter. And as I sat there, taking it all in, my heart smiled.

            Then came the discordant note. Haha! I literally started laughing out loud when I heard the first ‘squawk’. Blackbirds. A whole cluster of them that had suddenly decided to join the chorus. And it was an utterly riotous cacophony that overwhelmed every other sound. I made a concerted effort to ‘tune out’ the grating caws and focus in on the songbirds…and for snatches of moments I would be able to separate them out from the ‘noise’. But to no avail. Instead I decided to move on and continue my walk down to the sea.

            The next time I sat down, it was by the water. And the ‘melody’ that I closed my eyes to, was the sound of wind and waves. And it had the same soothing effect on my soul as had the songbirds. It was then that I realised this was the discipline of the Christian life: to learn how to separate ourselves from the ‘noise’ of the world around us, in order to focus in on and listen to the voice of God.

            Too often in our day-to-day lives we let the ‘discordant note’ absorb our attention. The bill that we don’t know how we are going to pay; the deadline we don’t think we can meet; the relationship we cannot figure out how to fix…and the list goes on. It is foolishness to deny the circumstance exists. But it is wisdom that ‘speaks’ to those circumstances and chooses to search for the Father’s voice in the midst of the noise.

           “This is why I tell you to never be worried about your life, for all that you need will be provided, such as food, water, clothing—everything your body needs. Isn’t there more to your life than a meal? Isn’t your body more than clothing? Look at all the birds—do you think they worry about their existence? They don’t plant or reap or store up food, yet your heavenly Father provides them each with food. Aren’t you much more valuable to your Father than they? So, which one of you by worrying could add anything to your life? (…) So above all, constantly chase after the realm of God’s kingdom and the righteousness that proceeds from him. Then all these less important things will be given to you abundantly…Refuse to worry about tomorrow, but deal with each challenge that comes your way, one day at a time. Tomorrow will take care of itself.” (Matt 5: 26-27, 34)

4 Kommentare zu „5. Suche nach der Melodie/Look for the Melody

  1. Liebe ingrid, all das was du bislang geschrieben hast spricht mir aus dem herzen, ich finde mich so sehr darin wieder und es tut so gut, es ist so ermutigend und berührend, schon beim lesen fühle ich gottes wunderbare, liebevolle, kraftvolle gegenwart, danke

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    1. Vielen Dank, so viel Heike…. Ich möchte, dass jeder den Vater mit dem gleichen Gefühl des Staunens erlebt, das er mir jeden Tag offenbart. Mögen Sie Ihm weiterhin in Ihren alltäglichen Momenten begegnen.

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